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Die
Story von RNI
RNIs
langer Anlauf – Von der Galaxy bis zur MEBO II
(Autor Hans Knot und Rico Bube-Förster)
Die ersten Pläne für den Seesender Radio Nordsee
International wurden bereits Mitte des Jahres 1968
geschmiedet. Doch verstrichen noch beinahe 18 Monate bevor
die Station Ende Januar 1970 on air ging – und schließlich
von einem anderen Schiff wie ursprünglich geplant sendete.

Der Start einer facettenreichen Popstation
Am 15. August 1967 trat in England ein Gesetz in Kraft, das
als Marine Offences Act in die Geschichte einging. Das
Gesetz schuf für die Briten ein offizielles Verbot für
Seesender, um auf welche Art und Weise auch immer, an deren
Programmen mitzuarbeiten. Das Verbot galt auch für die
Versorgung der Radioschiffe und die Ausstrahlung von
Werbespots. Radio Caroline widersetzte sich dem Marine
Offences Act und sendete von seinen beiden Schiffen weiter
bis zum 3. März 1968. Ein unzufriedenes Unternehmen – Die
Firma Wijsmuller – die unter anderem für die Versorgung
verantwortlich war, ließ beide Schiffe von ihrer
Ankerposition in den Hafen von Amsterdam schleppen, wo sie
festgelegt wurden.
Zur damaligen Zeit hatte die Jugend nur wenige
Popmusik-Stationen, wo das Hören wirklich Spaß machte. Radio
Veronica sendete noch immer von der MV Norderney, aus
Luxemburg kamen Programme in Niederländisch, Deutsch,
Französisch und Englisch, und dann gab es noch Hilversum 3,
der Vorgänger des heutigen 3FM. Der Sender war allerdings
noch nicht so weit, um das Versprechen der Regierung zu
erfüllen, die Seesender mit einem niveauvollen Programm zu
ersetzen.
Das Ende der Seesender hinterließ eine deutliche Lücke.
Beinahe monatlich konnte man in den Zeitungen Gerüchte lesen
denen zufolge wieder ein neues Projekt von See aus gestartet
werden sollte, um den Kampf gegen die nationalen
Popstationen aus den Niederlanden und aus England (Hilversum
3 und BBC Radio One) aufzunehmen. Lediglich eines dieser
Gerüchte sollte sich später bewahrheiten.
Eine neue Farbe für die MV Galaxy
Von den Seesendern der 60er Jahre war Wonderful Radio London
einer der Populärsten. Die Station hatte seit Dezember 1964
auf Mittelwelle 266 Meter gesendet und dafür gesorgt, dass
das sogenannte Top-40-Format in Europa eingeführt wurde.
1967 dann das Ende. Die Eigentümer beschlossen, sich nicht
gegen das britische Gesetz aufzulehnen und die Sendungen
verschwanden am Montag, den 14. August 1967 aus dem Äther.
Fast unmittelbar danach wurde das Radioschiff – die MV
Galaxy, ein früheres Minensuchboot (MV Density) aus den
Vereinigten Staaten – am 19. August 1967 in den Hafen von
Hamburg überführt, wo es am 21. August eintraf. Hier bekam
das Schiff einen vorläufigen Liegeplatz in der Elbe, wurde
später zum Dok 20 geschleppt und an einen Griechen für
10.000 Britische Pfund (umgerechnet zirka 45.000 Euro)
verkauft. Niemand wusste, wie die mögliche Zukunft des
Schiffes aussehen würde. Bis am 17. April 1968 erste
Gerüchte die Runde machten.
Von der Deutschen Presse Agentur (dpa) wurde ein Bericht in
Umlauf gebracht, der auch in einigen niederländischen
Zeitungen erschien. Unter dem Titel „Neuer Piratensender im
Kommen“ wurde gemeldet, dass die MV Galaxy durch ein
Schweizer Reklamebüro aus St. Gallen aufgekauft worden war
und als Radioschiff ausgerüstet werden sollte, um danach in
internationalen Gewässern auf einer Position zwischen
Helgoland und Scheveningen verankert zu werden. Dem Bericht
zufolge sollte die definitive Position erst nach einer Reihe
von Testsendungen bekannt gegeben werden.
Im August 1968 kam ein Bericht von Klaus Quirini, dem
Vorsitzenden des Deutschen Deejay Verbandes in Aachen
heraus. Quirini gab sich als Deejay und Programmleiter der
zukünftigen Station aus und meldete, dass das durch die
Schweizer finanzierte Projekt vielleicht am 1. Dezember 1968
starten würde. Am 28. Oktober 1968 schrieb dann das
„Algemeen Dagblad“, dass bald das erste deutsche
Seesender-Projekt unter dem Namen Radio Nordsee
International von der deutschen Küste auf Sendung gehen
würde: „Man wird 20 Stunden pro Tag on air sein. Die
Sendungen beginnen voraussichtlich am 1. Dezember auf
Mittelwelle 266 Meter. Hinter diesem geheimnisvollen Projekt
steht ein in Liechtenstein niedergelassener Geschäftsmann.
Das Radioschiff soll die frühere MV Mi Amigo sein, die nach
dem Verbot der Piratensender ihre Aktivitäten einstellen
musste. Es wird in einem niederländischen Hafen ausgerüstet,
bekommt 28 Mann Besatzung und wird in Jamaika registriert.
Über eine Agentur in Aachen wurden bereits sechs Deejays
angeworben. Die Bundesregierung wird wenig unternehmen
können, da die Einrichtung aus Deutschland stammt.“
Eine verwirrende Geschichte. Der betreffende Journalist
hatte zwar etwas gehört aber nicht überprüft, welches
Radioschiff in Wirklichkeit ausgerüstet werden sollte. In
deutschen Zeitungen, darunter die Frankfurter Rundschau und
die Zeitschrift Crash, standen Berichte über „Die
Musikpiraten“. Inzwischen wurde im Hafen von Hamburg
energisch der Pinsel geschwungen. Als ich im Dezember 1968
dort vorbei schaute, fand ich ein prächtig in Weiß
gestrichenes Schiff vor. Auch im Inneren waren die Maler
aktiv gewesen. Aber an der Ausrüstung der Studios war nichts
getan worden.
Inzwischen nannte die Presse als neues Startdatum den 12.
Dezember 1968. Nachforschungen ergaben, dass hinter dem in
einem Artikel erwähnten Schweizer Reklamebüro „Gloria
International“ die Herren Gschwendt und Luthle steckten.
Anderentags erzählten die beiden in einem Zeitungsinterview,
dass alle Arbeiten an den Studios und dem Sender
abgeschlossen seien und die Programmausstrahlung innerhalb
einer Woche beginnen könne. Interessierte Beobachter, die
sich seinerzeit – so wie ich – im Dock 20 der Firma
Finkenwerder, Teil der Howaldts Werke-Deutsche Werft AG,
aufhielten, überzeugten sich selbst davon, dass die
Behauptungen von Gschwendt und Luthle alles andere als
richtig waren.
Der Einzug von Meister und Bollier
Am 25. Januar 1969 wurde bekannt, dass Luthle sich aus dem
Seesender-Projekt zurückgezogen hatte, da er aufgrund von
Äußerungen deutscher Regierungsbeamter die Möglichkeit auf
ein finanziell gesundes Projekt schwinden sah. Die
Bundesregierung erwog nämlich die Einführung eines
Anti-Seesendergesetzes nach dem Beispiel des britischen
Marine Offences Act. In einer Erklärung gab Luthle bekannt,
dass noch kein einziger Vertrag mit einem potentiellen
Werbeinserenten unterzeichnet sei, da jeder erst abwarten
wolle, ob tatsächlich ein gutes Signal in den Äther gebracht
werden würde. Sein Finanzpartner Gschwendt organisierte
unterdessen eine teure Champagner-Party und mietete einige
kleine Flugzeuge, um die Vertreter der Presse über „sein
Radioschiff“ im Hafen von Hamburg kreisen zu lassen.
Mittlerweile lagen die Pläne der Bundesregierung, um
Maßnahmen gegen eventuelle Radiopiraten zu ergreifen, auf
dem Tisch. Am 2. Juli 1969 trat das Gesetz tatsächlich in
Kraft. Es sollte Seesender-Aktivitäten von deutschem
Hoheitsgebiet aus unterbinden. An diesem Tag lag die MV
Galaxy noch immer ruhig vertäut im Hafen von Hamburg. Das
geplante Projekt hatte in diversen Zeitungen und
Zeitschriften eine große Öffentlichkeit bekommen. So konnten
die Behörden nur jeden Versuch behindern, die MV Galaxy
außerhalb der nationalen Gewässer zu schiffen. Ausführlich
wurde in der Presse deutlich gemacht, dass im Fall des
Zuwiderhandelns die Studio- und Sendeausrüstung
beschlagnahmt würde. Nun hielt auch Herr Gschwendt es für
ratsam sein ehrgeiziges Vorhaben zu stoppen.
Letztendlich sollte am 28. September 1970 deutlich werden,
dass die MV Galaxy am 2. Dezember 1970 gerichtlich namens
diverser Gläubiger verkauft werden sollte – ein Verkauf, der
nichts erbrachte, wodurch das Schiff noch Jahre in Hamburg
und Kiel vertäut lag, um dort schließlich zu sinken. Ende
der 80er Jahre wurde das Schiff wieder gehoben und
abgebrochen. Luthle und Gschwendt hatten es also aufgegeben.
Aber damit war die Geschichte noch nicht zu Ende. In der
Zeit, als die Pläne mit der MV Galaxy noch vollauf lebten,
hatte das Duo zwei Landsmänner engagiert, die die
technischen Anlagen für das Betreiben einer Radiostation an
Bord des Schiffes instandhalten und einen Plan für
Ersatzteile aufstellen sollten.
Erwin Meister und Edwin Bollier hatten schließlich die Idee,
selbst ein solches Seesender-Projekt zu starten. Das
benötigte Geld kam von ihrer in Zürich ansässigen MEBO Ltd.
Der Name des Unternehmens setzt sich aus den
Anfangsbuchstaben MEister und BOllier zusammen. Angesichts
der missglückten Aktion mit der MV Galaxy in Deutschland
wollten die zwei ein mögliches Radioschiff dort ausrüsten
lassen, wo es noch kein Anti-Seesender-Gesetz gab. Dieses
Land sollte die Niederlande sein.
Die MEBO I und die MEBO II
Die Suche nach einem geeigneten Schiff führte unter anderem
nach Norwegen, wo Meister und Bollier bei der Werft Trondjem
in Trondheim die MV Bjarkoy, ein Schiff von 347 Tonnen,
kauften. Anschließend wurde das Boot in die Werft von De
Groot und Vliet in Slikkerveer gefahren und in MV MEBO
(Meister Bollier) umgetauft. Doch ein Mitarbeiter der Werft
machte den beiden Schweizern klar, dass es mit dem Verankern
des Schiffes in internationalen Gewässern vor der
niederländischen Küste Probleme geben würde, weil es für
diesen Zweck zu klein und instabil sei.

Die Direktion der Schiffswerft empfahl Meister und Bollier
daraufhin den norwegischen Trawler MV Silvretta, der 1946
auf dieser Werft gebaut worden war. Das Schiff war 186 Fuß –
knapp 57 Meter – lang und hatte eine Tonnage von 630. Nach
dem Kauf wurde die MV MEBO nochmals umgetauft in MEBO I und
die Silvretta bekam den Namen MEBO II. Im September 1969
begann man mit dem Umbau zum Radioschiff, wobei unter
anderem ein 52 Meter hoher Sendemast installiert wurde, der
bis dahin größte auf einem Radioschiff.
Es sollte bis zum 22. November 1969 dauern bis die ersten
Fotos und Veröffentlichungen in einer Zeitung erschienen.
Damals wurde auch der Name des Senders zum ersten Mal
erwähnt: Radio Nordsee International. Innerhalb von zwei
Wochen sollte die für den Einbau bestimmte Senderapparatur
durch RCA aus den USA geliefert werden. Meister und Bollier
erklärten, dass das Schiff einen vorläufigen Liegeplatz vor
der niederländischen Küste auf der Höhe von Scheveningen
erhalten solle, und dass man Programme in Deutsch,
Niederländisch und in Englisch ausstrahlen wolle. Neben
Engländern, Niederländern und Deutschen sollten auch
Österreicher ins Präsentatorenteam einbezogen werden. Die
Eigentümer kündigten weiterhin an, dass bereits für viele
Millionen Werbeaufträge internationaler Firmen gebucht
worden sind.
Auf Fragen, ob man sich nicht vor Maßnahmen der
Niederländischen Behörden fürchte, antworteten die Herren,
sie hätten keine Sorge, dass ein solches Gesetz eingeführt
werden würde. Sollte dies dennoch geschehen, erwogen sie in
Richtung Mittelmeer abzureisen. Nicht alle Zeitungsberichte
waren richtig. Die zur Ausrüstung des Schiffes geplanten
vier Millionen waren in jedem Fall sehr hoch gegriffen.
Anhand der Rechnungen der Schiffswerft zeigte sich später,
dass für den Umbau des Schiffes und den Einbau der Apparatur
durch die MEBO Ltd. insgesamt 612.397,93 Gulden bezahlt
worden waren. Der Kauf der Silvretta hatte 250.000 Gulden
gekostet.
Eine neue Farbschicht
Am 26. November kamen Meister und Bollier nochmals im
Telegraaf zu Wort. Viele Neuigkeiten konnten den Berichten
von früher nicht hinzu gefügt werden, außer, dass man als
eine Art Weihnachtsgeschenk zwei Wochen lang für die
Europäische Jugend Wunschplatten auflegen wollte. Erst
danach sollten die kommerziellen Programme beginnen.
Gesetzlich gesehen hatten sie in der Schweiz mit ihren neuen
Aktivitäten keine Probleme, aber sollte dies in der Zukunft
doch eintreten, so gaben sie für den Fall eine
Ausweichmöglichkeit im afrikanischen Sierra Leone an. Einen
Tag später meldete dieselbe Zeitung, dass die Direktion von
Radio Veronica über die erwartende Konkurrenz durch RNI
nicht geschockt sei. Der damalige Kommentar von Senderchef
Bull Verweij: „Wir haben eine freie See und Radio Veronica
hat nicht das alleinige Aufführungsrecht auf dieser See.“
Derweil wurde auf der Werft hart gearbeitet. Die MEBO II
bekam einen neuen, in vielen Farben aufgetragenen Anstrich,
was später auch mit der MEBO I passiert ist. Danach gab man
bekannt, dass das Radioschiff am 29. November seine Position
in internationalen Gewässern auf der Höhe von Noordwijk
einnehmen würde, und kündigte Testsendungen für den 1.
Dezember 1969 an. Hierfür wollten die Betreiber einen
105-Kilowatt-Sender auf die Mittelwellenfrequenz 186 Meter
abstimmen. Die Programme, so Bollier, sollten bis in
Warschau zu empfangen sein. Werbezeit wollte er für 200
Dollar per 30 Sekunden und 380 Dollar per Sendeminute
verkaufen. Des weiteren war geplant Verhandlungen mit
religiösen Organisationen über das Vermieten von Sendezeit
(maximal eine halbe Stunde pro Sendeblock) zu führen.
Die Sender waren inzwischen in den Niederlanden angekommen,
doch andere Zeitungen meldeten Einfuhrprobleme. Angeblich
stünden sie noch in Portugal im Hafen von Lissabon. Es ging
um einen 105 Kilowatt-Hauptsender und einen 10,5 Kilowatt
Reservesender, die zuvor dem Eigentümer Radio 390 gehörten.
Außerdem gab es zwei 10,5 Kilowatt-Sender für die
Programmausstrahlung auf Kurzwelle (Fabrikat RCI und Brown,
Boverie & Cie.) und einen 1,2 Kilowatt UKW-Sender von Rhode
& Schwarz.
Am 28. November wusste die Volkskrant zu melden, dass das
Kabinett unter Premier De Jong mit dem Erscheinen von RNI
wohl doch ein Anti-Seesender-Gesetz einführen würde, da die
Nachbarländer, die bereits ein solches Gesetz verabschiedet
hatten, sicherlich gegen die Radioaktivitäten vor der
niederländischen Küste protestieren würden. Zunächst wurde
eine Anpassung des Rundfunkgesetzes erwartet, in dem auch
Radio Veronica einen Platz haben sollte. Außerdem wurden
direkte Schritte der belgischen, deutschen und britischen
Regierung erwartet, falls tatsächlich eine internationale
Radiostation von der Nordsee aus senden würde.

Verhandlungen und Gerüchte
Einen Tag später hatten Meister und Bollier, die im
damaligen Grand Hotel in Scheveningen wohnten, bereits eine
Antwort auf die Politik. Sie erzählten, dass die MEBO II
keinen festen Ankerplatz bekommen, sondern in
internationalen Gewässern und dann auf der Höhe der
belgischen, britischen, niederländischen und westdeutschen
Küsten fahren würde. Angesichts der stürmischen Wetterlage
im Frühjahr und Herbst auf der Nordsee hatte man sich dafür
entschieden. Außerdem verkündeten Meister und Bollier, dass
Radio Veronica sich nicht zu Ängstigen brauche, da keine
niederländisch-sprachigen Programme geplant seien. Durch die
Direktion von Radio Veronica war ein großer Geldbetrag an
die Schweizer übergeben worden. Gesprochen wird von einer
Million Gulden. Damit kaufte Radio Veronica einen Anteil am
Radioschiff und man einigte sich darüber, dass von der MEBO
II aus niemals Programme in niederländischer Sprache
ausgestrahlt werden sollten. Das dies später, im März 1971,
dennoch geschah, sollte schließlich zu dem berüchtigten
Bombenanschlag auf das Radioschiff von RNI führen.
Aber, soweit war es noch lange nicht. Die große Frage vieler
Journalisten, die sich für das Radioschiff interessierten,
hieß: Woher haben die Schweizer das Geld, um ein solch
teures Projekt auf See zu realisieren? Auf diese Frage
antwortete Bollier, dass sie 1968 im Auftrag der Caritas
(Katholische Wohltätigkeitsorganisation) eine große
Bestellung nach Biafra hatten ausliefern können. Außerdem
sprach er von guten Geschäften mit Jugoslawien und anderen
Ostblockstaaten.
Kurz nachdem der Name Biafra gefallen war, erschienen die
seltsamsten Geschichten in den Zeitungen. So machte eine
Story die Runde, dass die beiden Schiffe im Auftrag der
Regierung von Biafra ausgerüstet worden seien. Nach dem
Sturz dieser Regierung seien die Schiffe den Schweizern
aufgehalst worden, worauf diese beschlossen hätten sie
selbst zu verwenden. In einem anderen Artikel wurde
angenommen, dass die Regierung von Biafra die Ausrüstung der
MEBO II bezahlt hatte, damit von dem Radioschiff aus
regierungskonforme Programme zu Gunsten des afrikanischen
Landes ausgestrahlt werden sollten. Schließlich machte noch
ein Bericht die Runde, dem zufolge einige britische
Politiker Mitfinanziers seien, um über die Station
Propaganda gegen den britischen Premier Richard Wilson
ausstrahlen zu können.
Der erste und der letzte Sendeton
Am 6. Januar 1970 meldete die MEBO Ltd. in einem
Pressebericht, dass es noch etwa zwei Wochen dauern würde,
bevor man loslegen könne. Fachleute der niederländischen
Post (PTT) gaben bekannt, dass eventuelle Sendungen auf 186
Meter nicht nur Interferenzprobleme mit den Programmen des
Bayerischen Rundfunks, der 187 Meter verwendet, verursachen
würde, sondern dass auch Beschwerden der Küstenwachstationen
aus diversen Ländern zu erwarten wären.
Am 22. Januar 1970 wurde das Radioschiff dann endlich vor
der Küste von Noordwijk verankert. Bevor es aus Slikkerveer
abfahren konnte, hatten Zöllner, assistiert durch
Ermittlungsbeamte der PTT, das Schiff inspiziert, um zu
kontrollieren ob sich betriebsbereite Sender an Bord
befanden. Merkwürdigerweise war der Untersuchungsauftrag vom
Botschafter von Panama ausgegangen, dem Land, wo Meister und
Bollier das Schiff hatten registrieren lassen. Die Papiere
sollten eingezogen werden, falls sich tatsächlich
herausstellte, dass es um ein sendefähiges Radioschiff ging.
Es leuchtet ein, dass der Botschafter von Panama unter dem
Druck der niederländischen Regierung stand. Die Betroffenen
waren auf solche Probleme vorbereitet und hatten vitale
Teile, wie die Sendekristalle ausgelagert. Außerdem befanden
sich nicht alle Sender an Bord. Ein Teil wurde am 25. Januar
mit der MEBO I zum Radioschiff gebracht. Es war eine enorme
Arbeit, um die in Kisten verpackten Sender an Bord der MEBO
II zu hiefen. Auch musste an diesem Tag eine 25 Tonnen
schwere Ankerkette herübergehoben werden, aber letztendlich
ging alles gut. Noch am selben Tag wurde das erste Signal
auf Kurzwelle 6210 kHz ausgestrahlt. Wenig später gingen von
Moderatoren präsentierte Testprogramme in den Äther.
Am 28. Februar 1970 startete mit der Erkennungsmelodie: "Man
of Action" von Les Reed der offizielle Sendebetrieb in
Deutsch und Englisch. Radio Nordsee International war damit
eine Tatsache.
In den darauf folgenden Woche wurde mehrmals in der Presse
erklärt, die Regierung von Panama hätte auf Wunsch der
Niederlande die Registrierung der beiden Schiffe eingezogen.
Nichts davon ist wahr. Während der kommenden Jahre ist zum
wiederholten Male die Registrierung der Schiffe verlängert
worden. Die erste Regiestrierung für die MV Bjarkoy, datiert
auf den 11. Juni 1969, wurde – laut einem mir vorliegenden
Dokument – vom Botschafter persönlich unterzeichnet.
In Anbetracht der drohenden
Schließung durch die niederländische Regierung startete RNI
im Juli 1973 eine Legalisierungskampagne – jedoch vergebens:
In der Nacht zum 1. September 1974 musste der Sendebetrieb
endgültig eingestellt werden.

Die Ausrüstung
Das Radioschiff war offiziell Eigentum der MEBO
Telecommunications AG, P.O. Box 113, Albisriederstraße 315,
8047 Zürich, Schweiz. Eine Firma mit Erwin Meister, Edwin
Bollier und Urs Emmenegger als Direktoren. An Bord des
Radioschiffes befanden sich Öl- und Wassertanks mit je 55
und 70 Tonnen Inhalt. Für die Stromerzeugung sorgten ein
Struver-Deisel-Generator und zwei Deutz-Generatoren; für die
Beleuchtung kamen zwei kleinen 20 kW-Deutz-Generatoren zum
Einsatz. Außerdem gab es eine batteriebetriebene
Notbeleuchtung. Auf der Brücke befand sich ein Radar; für
Notfälle bestand eine VHF-Radioverbindung über das
VHF-Radiotelefon-System. Neben den Deejays und Technikern
waren immer als sogenanntes nautisches Personal ein Kapitän,
ein Koch, ein Steward und zwei Matrosen an Bord.
Die Sender
1 RCA BTH 100 B (105 kW maximal ausgehende Leistung)
Main MW 1367 kHz.
1 RCA BTH 10J (10,5 kW maximal) Stand-by MW 1367 kHz
1 RCA BHF 10B (10,5 kW maximal) 6210 kHz, 49 m Band SW
1 Brown-Boveri (10,5 kW maximal) 9940 kHz, 31 m Band SW
1 Rhode & Schwarz (1,2 kW maximal) 100 MHz FM Band
Die
Ausrüstung von Studio 1
2 EMT 200, Auto-Start-Plattenspieler
2 Revox A77 Tonbandgeräte
3 Spotmaster 500 series NAB Jingle-Maschinen
1 Neun-Kanal-Mischpult
1 Electrovoice-Mikrofon
Die
Ausrüstung von Studio 2
2 EMT 200, Auto-Start-Plattenspieler
3 Revox A77 Tonbandgeräte
3 Spotmaster 500 series NAB Jingle-Maschinen
1 Neun-Kanal-Mischpult
1 Electrovoice-Mikrofon
1 Mikrofon, das mit dem Mischpult von Studio 1 verbunden war
Der Weg der MEBO II nach dem Ende als RNI-Sender
1974: Nach der Schließung von Radio North
Sea International (RNI) im August 1974 gab es Pläne, das
Schiff in Italien als offshore-Sender für Radio Nova
International zu betreiben.
1974-1976: Diese Pläne scheiterten, und das Schiff verblieb
zunächst in den Niederlanden, wo es aufgrund neuer Gesetze,
die Radiosender in Schiffen verboten, beschlagnahmt wurde.
Die gerichtliche Entscheidung erlaubte der MEBO II jedoch im
Dezember 1974 und erneut im Januar 1977, die Niederlande
unter Auflagen zu verlassen.
1976-1977: Beide Schiffe, die MEBO II und ihre ehemalige
Begleitschiff, wurden 1976 in Libyen an die Regierung
verkauft und erhielten neue Namen, El Fatah für die MEBO II.
Sie sendeten für eine Zeit für den libyschen Staat, bevor
ihre Sendeanlagen außer Betrieb genommen wurden.
1984: Die MEBO II wurde schließlich 1984 im Rahmen einer
libyschen Raketenübung als Zielschiff versenkt.

Die Geschichte von 2006 bis heute
Der schwierige Weg und die Stationen von Radio Nordsee
International zwischen 2006 und 2013
2006 kann man als die “Wiedergeburtsstunde” von RNI
bezeichnen. Der Radio Moderator Norbert Semmler, alias
“Nighthawk” von Pop Radio Germany hatte seit vielen Jahren
die Idee, Radio Nordsee International wieder On Air zu
bringen. 2006 war es dann endlich so weit. Die technischen
Vorrausetzungen waren fertig gestellt, dass Radio wurde
angemeldet und ging von der Halbinsel Darß, direkt aus
Prerow als Radio Nordsee International Germany on Air.
Norbert nannte sich mit Beginn des Sendebetriebes von R.N.I.
entsprechend dem Seesender verpflichtet, jetzt “Jolly Roger”
Zunächst wurde von Montag bis Freitag automatisiert und
Samstag und Sonntag live gesendet. Im Laufe der Zeit wurde
mit steigender Moderatorenanzahl, an verschiedenen
Wochentagen ab 19.00 Uhr live gesendet.
Im Jahr 2008 wurde unabhängig von dieser Station eine
weitere Station mit dem Namen Radio Northsea International
in London durch Garry Stevens ins Leben gerufen. Beide
Stationen sendeten fortan unabhängig voneinander Ihre
Programme. Im Laufe der Zeit, speziell 2010 wurde die
Situation R.N.I. Germany auf Grund fehlender Moderatoren
sehr dramatisch. Mitte des Jahres waren nur noch 3
Moderatoren (Jolly Roger, Nightwolf und Wolfgang) an Bord.
Durch viele glückliche Umstände, kam es dann im Oktober 2010
zu einer Fusion von R.N.I Germany und Fun for All Radio aus
Bamberg. Somit war die Zukunft der Station erst einmal
gesichert.
Während dieser gemeinsamen Zusammenarbeit wurden viele
gemeinsame Sendungen realisiert, aber auch deutliche
Unterschiede im Sendeformat sichtbar. Ab Mai 2011 gingen
beide Stationen wieder getrennte Wege.
Im Juni, Juli und August 2011 gab es dann erste Kontakte
zwischen R.N.I. Germany und R.N.I. in Großbritannien in
deren Folge ein konstruktives und freundschaftliches
Miteinander beider Stationen vereinbart wurde.
Ende August 2011 verstarb völlig unerwartet der Station
Manager Norbert Semmler (Jolly Roger). Somit stellten sich
die Moderatoren die Frage, wie geht es weiter mit dieser
Station. Letztendlich wurde der Sendebetrieb von R.N.I.
Germany beendet. Einige Moderatoren sendeten für andere
Stationen, andere beendeten die Sendetätigkeit. Rene, Helli
Hensen und Wolfgang begannen ab September 2011 unter der
Leitung von Garry Stevens (Direktor RNI UK und Paul Meier
(Direktor German Service) für Radio Northsea International
zu arbeiten. Bis April 2013 wurden neben dem Sendebetrieb,
Live Events in Boberow, Lenzen, Esens, Schilde und Kuhstorf
durch Helli Hensen, Rene und Wolfgang von Radio Northsea
International präsentiert und live übertragen. Erstmals in
der Geschichte von Radio Northsea International sendeten
Moderatoren live im German Service.
Wenn man in einem großen Sendeteam mit Moderatoren aus
verschiedenen Länder, in drei verschiedenen Sprachen
arbeitet und sendet, gibt es auch viele verschiedene
Meinungen und Vorstellungen über und für den Sendebetrieb
und die technischen Voraussetzungen.
Auf Grund, unterschiedlicher Auffassungen, besonders im
technischen Bereich veränderte sich ab Juni 2013 die
Gesamtstruktur und es gab fortan zwei Stationen mit dem
Namen Radio Nordsee International.

Nach fast 16 Jahren wurde abermals bei Radio Nordsee
International Germany am 02. Mai 2022 ab 00.00 Uhr (CEST),
der Sendebetrieb eingestellt. Viele Moderatoren waren seit
einigen Jahren auch auf dem Webradiosender "SATzentrale" als
Wiederholung zu hören. Einige gingen seit der Einstellung
auch live auf "SATzentrale Retro" bis heute auf Sendung.
Ende 2024 keimten die Gedanken wieder auf, einen
einheitlichen Sender unter dem Dach der SATzentrale
aufzubauen. Anfang 2025 starteten die ersten Testsendungen.
An dem historischen Tag, dem 28. Februar 2025, ging Radio
Nordsee International (RNI) wieder live auf Sendungen.
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