Installation einer DiSEqC 1.2 Drehanlage
Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, mit nur einer Satellitenanlage alle empfangbaren Satelliten anzusteuern? Trotz der zahlreichen Möglichkeiten einer Multifeedanlage gilt eine Drehanlage noch immer als die Königsdisziplin des Satellitenempfangs.
Was vor einigen Jahren noch sehr kostspielig war, lässt sich heute dank moderner DiSEqC-Motoren und aktueller Digitalreceiver bereits mit überschaubarem Aufwand realisieren. Fast jeder heutige Digitalreceiver unterstützt das DiSEqC-1.2-Protokoll und ermöglicht damit das komfortable Ansteuern unterschiedlicher Satellitenpositionen direkt von der Fernbedienung aus.
Obwohl zahlreiche Anleitungen und Tipps existieren, sind viele Bedienungsanleitungen der Hersteller nur schwer verständlich oder führen in der Praxis nicht immer zum gewünschten Ergebnis. Diese Anleitung basiert auf langjähriger Praxiserfahrung und soll den Aufbau einer DiSEqC-1.2-Drehanlage Schritt für Schritt erklären.
Diese Anleitung beschreibt eine Mastmontage einer DiSEqC-1.2-Drehanlage. Der Antennenmast muss absolut senkrecht mit einer Wasserwaage ausgerichtet sein. Als Drehbereich wird der Empfang zwischen 75° Ost und 43° West angenommen.
Die richtige Antennengröße
Bevor mit der eigentlichen Installation begonnen wird, sollte zunächst die Größe der Satellitenantenne festgelegt werden.
Nicht alle Satelliten senden mit gleicher Signalstärke. Während innerhalb der Kernzone einer Ausleuchtzone oftmals schon kleinere Antennen ausreichend sind, werden in Randgebieten teilweise deutlich größere Spiegel benötigt.
Eine Drehanlage lohnt sich deshalb in der Regel erst ab einer Spiegelgröße von etwa 100 cm.
Jeder Motor besitzt eine maximale Tragfähigkeit hinsichtlich Durchmesser und Gewicht der Satellitenantenne. Diese Angaben des Herstellers sollten unbedingt eingehalten werden.
Der Antennenmast
Ein stabiler Mast ist die wichtigste Voraussetzung für eine zuverlässig arbeitende Drehanlage.
Verwenden Sie möglichst keinen Mast mit geringem Durchmesser. Der Mast sollte absolut verwindungssteif und dauerhaft fest im Fundament oder an einer Wandhalterung befestigt sein.
Bereits kleinste Bewegungen führen später dazu, dass weiter entfernte Satelliten nicht mehr exakt angefahren werden können.
Auch Hindernisse wie Hauswände, Dachvorsprünge oder Bäume dürfen den späteren Drehbereich der Antenne nicht einschränken.
Standortdaten ermitteln
Sind Mast und Montageort vorbereitet, werden zunächst die geografischen Daten des eigenen Wohnortes benötigt.
Als Beispiel dient der Ort Sörnewitz in Sachsen.
Diese Werte erhalten Sie auch für Ihren eigenen Wohnort über Google Maps oder vergleichbare Kartendienste.
Eine umfangreiche Übersicht der erforderlichen Azimut- und Elevationswerte finden Sie in den Satellitentabellen .
Vorbereitung der Antenne
Vor der eigentlichen Montage des Motors wird die Satellitenantenne zunächst ohne Motor am Mast befestigt und exakt auf einen bekannten Satelliten ausgerichtet.
In dieser Anleitung wird die Antenne zunächst auf ASTRA 19,2° Ost eingestellt. Alternativ kann auch ein anderer gut empfangbarer Satellit, beispielsweise Hotbird 13° Ost, verwendet werden.
Sobald der Empfang optimal eingestellt ist, werden die Schrauben der Elevationshalterung fest angezogen. Anschließend werden die Mastschellen wieder gelöst, da im nächsten Schritt der Motor montiert wird.
Montage des DiSEqC-Motors
Nachdem die Satellitenantenne vorbereitet wurde, kann nun der DiSEqC-1.2-Motor am Antennenmast befestigt werden.
Vor der Montage muss die Motorposition auf 0° eingestellt werden. Diese Markierung befindet sich auf der Oberseite des Motors rund um den Motorzapfen. Werkseitig ist häufig bereits ein anderer Wert voreingestellt.
Befestigen Sie den Motor so am Antennenmast, dass er ungefähr in Richtung 0° Ost (Süden) zeigt.
Anschließend wird die vorbereitete Satellitenantenne auf den Motor aufgesetzt.
Die Befestigungsmuttern werden gleichmäßig angezogen, damit die Antenne nicht seitlich ausweicht.
Verkabelung der Drehanlage
Nun wird das LNB mit dem LNB-Ausgang des Motors verbunden. Anschließend wird der Receiver-Ausgang des Motors mit dem Satellitenreceiver verbunden.
Verwenden Sie hierfür ausschließlich ein hochwertiges Koaxialkabel mit guter Abschirmung.
Damit Regen oder Feuchtigkeit nicht in die F-Stecker eindringen, empfiehlt sich die Verwendung von Gummitüllen oder sogenannten Waterlock-Dichtungen.
Viele hochwertige Motoren werden bereits mit passenden Schutztüllen ausgeliefert.
Sobald Receiver und Motor mit Strom versorgt werden, ist das System betriebsbereit und kann erstmals bewegt werden.
Das A & O: Die exakte Motorposition
Der wichtigste Schritt beim Aufbau einer Drehanlage ist die korrekte Einstellung der Motorposition.
Schalten Sie den Receiver ein und fahren Sie den Motor zunächst auf 6,07° Ost, soweit dies die grobe Einstellung des Motors zulässt.
Oft stellt sich dabei die Frage: Wie entsteht dieser Wert?
Hierfür gibt es zwei unterschiedliche Berechnungsmöglichkeiten.
1. Die einfache Berechnung
Die schnelle Berechnung ergibt sich aus:
Für das Beispiel Sörnewitz ergibt sich:
ASTRA 19,2° Ost − 13,5° Ost = 5,7° Ost
Diese Methode liefert bereits einen brauchbaren Näherungswert.
2. Die mathematisch korrekte Berechnung
Da die Erde keine Ebene, sondern eine Kugel ist, muss die Motorposition eigentlich genauer berechnet werden.
Dabei werden unter anderem folgende Werte berücksichtigt:
Diese Berechnung ist von Hand recht aufwendig. Deshalb steht auf der SATzentrale ein entsprechender Online-Rechner zur Verfügung.
Dort werden neben Azimut und Elevation auch sämtliche Motor- und Deklinationswerte automatisch berechnet.
Sie finden den Rechner hier: Azimut-/Elevationsrechner .
Für diese Anleitung wird die mathematisch korrekte Berechnung verwendet.
Die Einstellung der Motorelevation
Auch der Motor benötigt eine korrekte Elevation. Diese Motorelevation ist nicht mit der Elevation der Satellitenantenne zu verwechseln.
Die Einstellung erfolgt durch Anheben oder Absenken des Motors, bis der gewünschte Satellit mit maximaler Signalqualität empfangen wird.
Sollte auf der berechneten Motorposition noch kein Empfang des ASTRA-Satelliten möglich sein, lösen Sie die Muttern der Motorbefestigung leicht und drehen die komplette Anlage langsam nach Osten oder Westen, bis der Satellit optimal empfangen wird.
Nach jeder Korrektur müssen sämtliche Schrauben und Muttern wieder sorgfältig festgezogen werden.
Tipps zur optimalen Ausrichtung
Für die exakte Ausrichtung empfiehlt sich ein möglichst stabiles Referenzsignal.
Viele Hersteller bieten bereits fertige Receiversettings für Drehanlagen an. Werden diese eingespielt, können die Programme nach erfolgreicher Ausrichtung meist sofort empfangen werden, ohne einen kompletten Suchlauf durchführen zu müssen.
Auch auf der SATzentrale stehen zahlreiche fertige Settings für verschiedene Receiver zur Verfügung.
Nachdem ASTRA korrekt empfangen wird, speichern Sie diese Position zunächst provisorisch im Receiver ab. Die genaue Vorgehensweise ist abhängig vom jeweiligen Receiver und wird im Handbuch beschrieben.
Die Suche nach weiteren Satelliten
Nun beginnt die eigentliche Einrichtung der Drehanlage. Satelliten, die sich in unmittelbarer Nähe der gespeicherten ASTRA-Position befinden, werden meist problemlos empfangen.
Interessant wird es bei den weiter östlich oder westlich liegenden Satelliten. Hier zeigt sich, wie exakt die Grundausrichtung vorgenommen wurde.
Die Satelliten werden nun Schritt für Schritt über die Fernbedienung des Receivers angefahren.
Wer noch keine Receiversettings installiert hat, muss zunächst einen passenden Transponder der jeweiligen Satellitenposition manuell eingeben.
Danach wird der Motor langsam in Richtung Westen oder Osten gefahren, bis ein Signal empfangen wird. Anschließend wird die Position über die Signalqualitätsanzeige des Receivers optimiert und gespeichert.
Auf diese Weise werden anschließend auch weitere Positionen wie 36° Ost, 42° Ost, 60° Ost, 15° West, 22° West und 30° West eingerichtet.
Mögliche Ergebnisse der Kontrolle
Sind alle Einstellungen korrekt vorgenommen worden, lassen sich die verschiedenen Satellitenpositionen zuverlässig empfangen.
Je nach Signalverlauf können vier unterschiedliche Situationen auftreten.
Bild 1
Der Empfang ist schlecht. Eine Verbesserung wird erreicht, wenn die Antenne für den östlichen Satelliten leicht angehoben und für den westlichen Satelliten leicht abgesenkt wird.
Abhilfe schafft eine leichte Drehung der kompletten Anlage gegen den Uhrzeigersinn (nach Osten).
Anschließend müssen die ASTRA-Position sowie die östlichste und westlichste Satellitenposition erneut gespeichert werden.
Durch erneutes leichtes Anheben oder Absenken wird kontrolliert, ob sich die Signalqualität weiter verbessert.
Bild 2
Der Empfang verbessert sich, wenn die Antenne für den östlichsten Satelliten leicht abgesenkt und für den westlichsten Satelliten leicht angehoben wird.
In diesem Fall wird die komplette Anlage geringfügig im Uhrzeigersinn (nach Westen) gedreht.
Danach müssen wiederum die Referenzpositionen neu gespeichert werden.
Bild 3
Der Empfang ist schlecht. Eine Signalverbesserung wird erreicht, wenn die Antenne sowohl für den östlichsten als auch für den westlichsten Satelliten leicht nach oben bewegt wird.
In diesem Fall wird die Motorelevation vergrößert (nach oben), während die Elevation der Satellitenantenne entsprechend etwas verkleinert wird.
Beide Einstellungen werden so lange fein korrigiert, bis auf allen drei Referenzpositionen ein optimaler Empfang erreicht wird.
Bild 4
Der Empfang ist schlecht. Eine Verbesserung tritt ein, wenn die Antenne sowohl für den östlichsten als auch für den westlichsten Satelliten leicht nach unten bewegt wird.
In diesem Fall wird die Motorelevation leicht verkleinert (nach unten), während die Elevation der Satellitenantenne etwas erhöht wird.
Die Einstellungen werden so lange wiederholt, bis alle drei Referenzpositionen optimal empfangen werden.
Alle weiteren Satelliten speichern
Sind die östlichste, die westlichste sowie die zentrale ASTRA-Position korrekt eingerichtet, können anschließend alle Satelliten zwischen diesen Positionen bequem angefahren, abgespeichert und mit einem Programmsuchlauf eingerichtet werden.
Damit steht anschließend der komplette Drehbereich der Satellitenanlage zur Verfügung.
USALS (DiSEqC 1.3)
Die manuelle Einrichtung einer Drehanlage ist zwar sehr exakt, benötigt jedoch einiges an Zeit und Geduld.
Komfortabler arbeiten Receiver, welche bereits das USALS-Verfahren (DiSEqC 1.3) unterstützen.
Nach Eingabe der Koordinaten des eigenen Wohnortes berechnet der Receiver automatisch die erforderliche Motorposition und steuert den gewünschten Satelliten selbstständig an.
Dennoch bleibt eine sauber eingestellte Grundinstallation der Satellitenantenne Voraussetzung für ein korrekt arbeitendes USALS-System.
Praxistipp
Diese Satelliten lassen sich in Deutschland oftmals nur mit größeren Antennen zuverlässig empfangen.
In der Praxis hat sich außerdem gezeigt, dass die Zeit zwischen etwa 10:00 Uhr und 14:00 Uhr für die Einrichtung einer Drehanlage häufig besonders günstig ist.
Bekannte Fehlerquellen
Sollte die Drehanlage nicht alle Satelliten zuverlässig empfangen, liegen die Ursachen häufig an kleinen Montagefehlern.
Empfang des C-Bandes
Wer zusätzlich das C-Band empfangen möchte, benötigt bereits deutlich größere Satellitenantennen.
Hier kommen Antennen mit einer Größe von etwa 180 cm und mehr zum Einsatz.
Die derzeit verfügbaren DiSEqC-1.2-Motoren können in der Regel Satellitenantennen bis maximal etwa 125 cm bewegen. Spezielle Motoren ermöglichen Größen bis etwa 150 cm.
Für größere Antennenanlagen sollten deshalb leistungsfähigere Systeme wie 36-Volt-H2H-Motoren oder Aktuatoren eingesetzt werden.
Ab etwa 4 Metern Antennendurchmesser endet im C-Band der typische DX-Gedanke. Hier spricht man meistens bereits nur noch vom klassischen Fernsehempfang.
Zusammenfassung der wichtigsten Punkte
Notizzettel für die Installation
Damit Sie nicht alle wichtigen Einstellungen ausdrucken und aufschreiben müssen, wurde ein kleiner Notizzettel mit den wichtigsten Aufbaudetails zusammengestellt:
>> NOTIZZETTEL <<
Abschluss
Eine DiSEqC-1.2-Drehanlage gehört sicherlich zu den interessantesten Möglichkeiten des Satellitenempfangs.
Mit einer sorgfältigen Planung, einer stabilen Montage und einer genauen Einstellung lassen sich zahlreiche Satellitenpositionen empfangen und komfortabel vom Wohnzimmer aus steuern.




