Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre entstanden in Europa zwei bedeutende paneuropäische Sportsender: der bereits seit den 1980er Jahren bestehende Screensport/Sportkanal und Eurosport. Beide konkurrierten um Zuschauer, Sportrechte und Satellitenkapazitäten. 1993 endete diese Konkurrenz durch die Zusammenlegung der beiden Sender.
Der Sportkanal
Historisches Logo des Sportkanals
Der Ursprung des später in Deutschland als Sportkanal bekannten Senders liegt bei Screensport. Der kommerzielle paneuropäische Sportsender nahm bereits im März 1984 seinen Betrieb auf.
In der Anfangszeit erfolgte die Verbreitung vor allem über Satelliten-Zuführungen zu Kabelnetzen. Mit dem Start der Astra-Satelliten änderte sich die Situation grundlegend: Sportsender konnten nun direkt von privaten Satellitenhaushalten empfangen werden.
Ab 1989 war das Programm auch über Astra verfügbar und wurde mehrsprachig ausgestrahlt. Zu den Sprachversionen gehörten Deutsch, Englisch, Französisch und Niederländisch.
Der Sportkanal über Astra
Für viele deutsche Satellitenzuschauer wurde der Sender damit zu einem festen Bestandteil der damaligen TV-Landschaft. Besonders interessant war die unverschlüsselte PAL-Ausstrahlung über Astra 1A auf 19,2° Ost.
| Merkmal | Historische Angabe |
|---|---|
| Name | Sportkanal / Screensport |
| Programmbereich | Sport |
| Sprachen | Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch |
| Satellit | Astra 1A |
| Position | 19,2° Ost |
| Historische Frequenz | 11,214 GHz |
| Polarisation | Horizontal |
| Übertragung | PAL, unverschlüsselt |
Historische Empfangsdaten. Frequenzen und technische Parameter beziehen sich ausschließlich auf die damalige Satellitenverbreitung.
Das Programm des Sportkanals
Der Sportkanal setzte stark auf Live-Sport und internationale Sportereignisse. Während am Wochenende teilweise rund um die Uhr gesendet wurde, lag die reguläre Sendezeit unter der Woche typischerweise etwa zwischen morgens und den frühen Morgenstunden.
| Sportart | Beispiele |
|---|---|
| Fußball | Internationale Ligen und Wettbewerbe |
| Basketball | NBA und weitere Wettbewerbe |
| American Football | US-Sport |
| Baseball | MLB |
| Eishockey | NHL und internationale Wettbewerbe |
| Tennis | Internationale Turniere |
| Boxen | Internationale Boxveranstaltungen |
| Snooker | Internationale Turniere |
Eurosport – der zweite große Sportsender
Historisches Eurosport-Logo
Am 5. Februar 1989 startete Eurosport als paneuropäischer Fernsehsender auf dem Astra-Satellitensystem. Das Projekt entstand im Umfeld der Europäischen Rundfunkunion (EBU) und Sky.
Damit entstand neben Screensport ein zweiter großer paneuropäischer Sportsender. Beide Sender verfolgten ein ähnliches Grundprinzip: Sportprogramme für Zuschauer in mehreren europäischen Ländern über einen gemeinsamen Satellitenkanal bereitzustellen.
Die technische Entwicklung des Satellitenfernsehens war für diese Entwicklung entscheidend. Mit Astra konnten die Programme direkt in den Haushalten empfangen werden, während gleichzeitig Kabelnetze als weiterer Verbreitungsweg dienten.
Sportkanal gegen Eurosport
Ende der 1980er Jahre konkurrierten Screensport und Eurosport nicht nur um Zuschauer, sondern auch um attraktive Sportübertragungen und die Zusammenarbeit mit europäischen Fernsehanstalten.
Die Europäische Kommission befasste sich bereits 1989 mit den Wettbewerbsbedingungen rund um das Eurosport-Konsortium. In einer Entscheidung vom Februar 1991 wurden Vereinbarungen zwischen dem Eurosport-Konsortium und Sky aus wettbewerbsrechtlicher Sicht beanstandet.
Die Konkurrenz der beiden Sportsender war damit nicht nur eine Frage des Programms. Auch die Verteilung von Sportrechten und die Beteiligung verschiedener europäischer Rundfunkanstalten spielten eine wichtige Rolle.
Die Fusion von 1993
Anfang der 1990er Jahre wurde die Konkurrenzsituation zunehmend schwieriger. Gleichzeitig entstand mit dem am 1. Januar 1993 gestarteten DSF ein weiterer deutscher Sportsender.
Am 13. Januar 1993 wurde schließlich die Zusammenlegung von Sportkanal und Eurosport vereinbart. Das gemeinsame Programm wurde unter dem Namen Eurosport – The European Sports Network weitergeführt.
Fusion von Sportkanal und Eurosport. Damit endete die eigenständige Geschichte des Sportkanals.
Der Sportkanal sollte ursprünglich bereits Ende Februar 1993 eingestellt werden. Tatsächlich blieb das Signal über Astra 1A noch bis zum Ablauf des 5. März 1993 bestehen. Am Morgen des 6. März 1993 wurde der Satellitenplatz vom neu gestarteten RTL II übernommen.
Chronik
Screensport nimmt als kommerzieller paneuropäischer Sportsender seinen Betrieb auf.
Start des Astra-Satellitensystems. Eurosport nimmt am 5. Februar 1989 den Sendebetrieb auf.
Screensport wird ebenfalls über Astra für Satellitenhaushalte direkt empfangbar.
Die europäische Wettbewerbspolitik beschäftigt sich mit der Struktur des Eurosport-Konsortiums und den Vereinbarungen mit Sky.
Eurosport überträgt unter anderem die Olympischen Winterspiele.
Das Deutsche Sportfernsehen (DSF) startet in Deutschland.
Sportkanal und Eurosport werden zusammengeführt.
Letzter Sendetag des Sportkanals über Astra 1A.
RTL II übernimmt den bisherigen Astra-Sendeplatz.
Historischer Satellitenempfang
Für Satellitenfreunde ist die Empfangsgeschichte besonders interessant. Der Sportkanal war über Astra 1A auf 19,2° Ost mit einem analogen PAL-Signal zu empfangen.
Weitere Verbreitung
Die französische Version TV Sport wurde außerdem über Eutelsat II-F1 auf 13° Ost verbreitet. Als historische Empfangsangabe wird dafür 12.584 GHz vertikal genannt.
Eurosport nach der Fusion
Mit der Fusion verschwand der Name Sportkanal aus dem Satellitenprogramm. Eurosport blieb dagegen als eigenständige Marke bestehen und entwickelte sich in den folgenden Jahren weiter.
Das Programm wurde zunehmend durch ein breites Spektrum an Sportarten geprägt. Neben den klassischen großen Mannschaftssportarten gehörten insbesondere Radsport, Tennis, Wintersport, Motorsport, Leichtathletik und zahlreiche weitere internationale Wettbewerbe zum Programm.
Mit der Digitalisierung veränderte sich auch die Verbreitung. Aus dem klassischen analogen Satellitenkanal wurde ein Bestandteil einer zunehmend digitalen TV- und Streaminglandschaft.
Eurosport 2
Mit Eurosport 2 entstand später ein zusätzlicher Sportsender, der das Angebot um weitere Liveübertragungen und Sportarten ergänzte.
Vom Satellitenkanal zum digitalen Sportangebot
Die Geschichte von Eurosport zeigt damit exemplarisch den Wandel des Fernsehens: von analogen PAL-Signalen auf Satelliten-Transpondern über digitales Satellitenfernsehen bis hin zu Streamingangeboten.
Quellen und weiterführende Informationen
- Europäische Kommission / EUR-Lex: Entscheidung 91/130/EWG zum Eurosport-Konsortium
- Historische Angaben zum Sportkanal und dessen Satellitenverbreitung
- Historische Satelliten- und TV-Programmzeitschriften
- Eigene Empfangsberichte und Archivmaterial
Hinweis: Historische Frequenz- und Sendedaten können je nach Quelle und Betrachtungszeitraum voneinander abweichen. Die Angaben auf dieser Seite beziehen sich auf die jeweilige historische Empfangssituation und sind nicht als aktuelle Satellitenparameter zu verstehen.



