Lange bevor Musikfernsehen durch MTV und später VIVA zum festen Bestandteil des europäischen Fernsehens wurde, entstand in London ein außergewöhnliches Fernsehprojekt: Music Box.
Der Sender gehörte zu den frühen paneuropäischen Satellitenprogrammen und brachte Musikvideos über Eutelsat in zahlreiche europäische Länder.
Die Geschichte von Music Box
Historisches Music Box Logo
Music Box entstand Anfang der 1980er Jahre im Umfeld der damals noch jungen europäischen Satelliten- und Kabelfernsehentwicklung.
Beteiligt waren unter anderem Thorn EMI, Virgin und Yorkshire Television.
Die Idee war vergleichsweise einfach und für die damalige Zeit dennoch revolutionär: Ein Fernsehsender sollte rund um die Uhr Musikvideos ausstrahlen und damit Zuschauer in verschiedenen europäischen Ländern erreichen.
Die ersten Music-Box-Sendungen wurden bereits im Februar 1984 innerhalb des Programms von Sky Channel ausgestrahlt.
Am 29. März 1984 startete Music Box schließlich als eigenständiger paneuropäischer Musiksender.
Der Sendestart 1984
Music Box war nicht einfach nur ein Musikfenster innerhalb eines anderen Programms. Der Sender sollte ein eigenständiger 24-Stunden-Kanal werden.
Von London aus wurde das Programm über Satellit verbreitet. Damit konnten Kabelnetze in verschiedenen europäischen Ländern das Signal übernehmen.
Music Box startet als eigenständiger paneuropäischer Musiksender.
Gerade in der ersten Hälfte der 1980er Jahre war diese Art der Verbreitung etwas Besonderes. Satellitenempfang war für Privatpersonen noch relativ teuer und die meisten Zuschauer empfingen Music Box über Kabelnetze.
In Westdeutschland wurde das Programm unter anderem in Kabelnetze der Deutschen Bundespost eingespeist.
Music Box über Satellit
Die technische Grundlage des Programms war der europäische Kommunikationssatellit Eutelsat ECS-1.
| Parameter | Historische Angabe |
|---|---|
| Satellit | Eutelsat ECS-1 / Eutelsat I-F1 |
| Orbitalposition | 13° Ost |
| Programm | Music Box |
| Übertragungsweg | Satellit → Kabelnetze / Satellitenempfang |
| Bild | Analoges PAL-Fernsehsignal |
| Ton | FM-Tonunterträger / Stereo |
| Verschlüsselung | unverschlüsselte Ausstrahlung in der Startphase |
Die damalige Satellitentechnik war noch nicht mit dem späteren digitalen Satellitenfernsehen vergleichbar. Music Box wurde analog übertragen.
Zeitgenössische technische Unterlagen nennen für die Stereo-Tonübertragung die beiden Unterträger 7,02 MHz und 7,20 MHz.
Für heutige Verhältnisse war der technische Aufwand erheblich. Große Parabolantennen, analoge Satellitenreceiver und geeignete LNB-Technik waren erforderlich.
Music Box in Deutschland
Für deutsche Zuschauer war Music Box vor allem über Kabel interessant.
Die Deutsche Bundespost baute Anfang der 1980er Jahre das Kabelfernsehnetz aus. Internationale Satellitenprogramme konnten über die Kabelkopfstellen empfangen und anschließend in die regionalen Kabelnetze eingespeist werden.
Damit erreichte Music Box Zuschauer, die selbst noch keine Satellitenantenne besaßen.
Für Satelliten-Enthusiasten eröffnete sich dagegen eine weitere Möglichkeit: der direkte Empfang des Eutelsat-Signals.
Das Programm
Das Herzstück von Music Box waren Musikvideos.
Anders als bei vielen klassischen Fernsehsendern musste das Programm nicht aus langen Serien, Filmen oder Nachrichtensendungen bestehen. Musikvideos konnten aneinandergereiht und durch Moderationen, Interviews, Charts und Werbung ergänzt werden.
| Programmbereich | Inhalt |
|---|---|
| Videoclips | Internationale Musikvideos aus Pop, Rock und weiteren Musikrichtungen. |
| Charts | Hitparaden und Zusammenstellungen aktueller Titel. |
| Interviews | Gespräche mit Künstlern und Bands. |
| Moderation | Ansagen und Präsentation der Musikvideos. |
| Spezialsendungen | Thematische Musiksendungen und besondere Musikprogramme. |
Die Sendungen waren damit ein früher Vorläufer des später bekannten europäischen Musikfernsehens.
Die Moderatoren
Music Box wurde nicht ausschließlich von einem einzigen Moderator präsentiert. Im Laufe der Jahre arbeiteten zahlreiche Moderatoren für den Sender.
| Moderator | Bemerkung |
|---|---|
| Nino Firetto | Music-Box-Moderator |
| Simon Potter | Music-Box-Moderator |
| Amanda Redington | Music-Box-Moderatorin |
| Martin Buchanan | Music-Box-Moderator |
| Ray Cokes | Später auch international bekannt |
| Tony Dortie | Music-Box-Moderator |
| Erik de Zwart | Music-Box-Moderator |
| Adam Curry | Später unter anderem bei MTV Europe |
| Gareth Jones | Music-Box-Moderator |
Die Bedeutung von Music Box
Music Box gehört zu den Pionieren des europäischen Musikfernsehens.
Der Sender entstand zu einer Zeit, in der Musikvideos noch nicht selbstverständlich rund um die Uhr im Fernsehen zu sehen waren.
Die Kombination aus Satellitentechnik, Kabelnetzen und einem internationalen Musikprogramm ermöglichte es, Musik über nationale Grenzen hinweg zu verbreiten.
Der Sender verband die damals neue Satellitentechnik mit einem Programmformat, das später durch MTV Europe, VIVA und weitere Musikkanäle zum festen Bestandteil des Fernsehens wurde.
Von Music Box zu Super Channel
1986 veränderte sich die Eigentümerstruktur der Betreibergesellschaft.
Thorn EMI zog sich aus dem Unternehmen zurück. Virgin wurde zum Mehrheitsgesellschafter.
In der Folge wurde beschlossen, das Konzept des Satellitenkanals zu verändern.
Aus Music Box wurde Ende Januar 1987 der paneuropäische Vollprogrammsender Super Channel.
Der bisherige Satellitenplatz auf Eutelsat wurde anschließend von Super Channel genutzt.
Der letzte Sendetag
Music Box beendet seine eigenständige 24-Stunden-Ausstrahlung.
Das letzte Musikvideo, das vor der Umschaltung auf Super Channel ausgestrahlt wurde, war „Don't Give Up“ von Peter Gabriel und Kate Bush.
Damit endete nach knapp drei Jahren die Geschichte von Music Box als eigenständigem paneuropäischen Musiksender.
Das Ende des Fernsehsenders bedeutete allerdings nicht das vollständige Ende des Namens Music Box.
Music Box nach 1987
Nach dem Ende des eigenständigen Satellitenkanals wurde die Marke Music Box weiterhin für die Produktion von Musikprogrammen verwendet.
Die Produktionsaktivitäten wurden unter anderem für Super Channel fortgeführt.
Damit wandelte sich Music Box von einem eigenständigen Fernsehsender zu einer Produktionsmarke für Musikprogramme.
Die letzten Music-Box-Programme wurden noch bis in die späten 1980er Jahre hinein über Super Channel ausgestrahlt.
Chronik
Vorbereitung verschiedener europäischer Satelliten-TV-Projekte.
Erste Music-Box-Sendungen werden innerhalb von Sky Channel ausgestrahlt.
Music Box startet als eigenständiger paneuropäischer Musiksender.
Das Programm wird über Eutelsat ECS-1 verbreitet und in europäische Kabelnetze eingespeist.
Satelliten-Direktempfang wird für Privathaushalte zunehmend interessanter.
Änderungen in der Eigentümerstruktur der Betreibergesellschaft.
Letzter Sendetag von Music Box als eigenständigem 24-Stunden-Sender.
Auf der bisherigen Satellitenkapazität startet Super Channel.
Music Box produziert weiterhin Musikprogramme für Super Channel.
Historische Empfangstechnik
Music Box gehört in die Frühzeit des europäischen Satelliten-Direktempfangs.
| Technik | Historische Situation |
|---|---|
| Satellit | Eutelsat ECS-1 / Eutelsat I-F1 |
| Position | 13° Ost |
| Übertragung | Analog |
| Fernsehnorm | PAL |
| Ton | FM-Stereo-Unterträger |
| Empfang | Satellitenanlage oder Kabelnetz |
Die technischen Angaben beziehen sich auf die historische analoge Satellitenübertragung und sind nicht mit heutigen digitalen Empfangsparametern vergleichbar.
Quellen und weiterführende Informationen
- Historische Angaben zum Fernsehsender Music Box
- Zeitgenössische Fachberichte zur Satellitenübertragung
- Historische Informationen zu Eutelsat ECS-1
- Archivmaterial und historische Fernsehzeitschriften
Historische Angaben können je nach Quelle leicht voneinander abweichen. Insbesondere bei Startdaten und technischen Empfangsparametern sollte zwischen dem Beginn erster Programmausstrahlungen und dem offiziellen Start des eigenständigen Senders unterschieden werden.



