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musicbox – Die Geschichte des ersten deutschen Musiksenders

musicbox

Der erste deutsche Musiksender · 1984–1988

musicbox – der erste deutsche Musiksender

Am 1. Januar 1984 startete in Deutschland ein außergewöhnliches Fernsehprojekt: musicbox.

Der Sender aus München war der erste deutsche Fernsehsender, der sich vollständig der Musik widmete.

Aus dem zunächst im Kabelpilotprojekt verbreiteten Musikkanal entwickelte sich ein bundesweit empfangbarer Sender. Am 11. Januar 1988 wurde musicbox schließlich zu Tele 5.

Die Geschichte der musicbox

Historisches musicbox Logo Historisches musicbox-Logo

Die musicbox wurde von Wolfgang Fischer gegründet.

Programmdirektor war Jochen Kröhne.

Der Sender hatte seinen Sitz in München in der Schellingstraße.

Das Konzept war für das deutsche Fernsehen der frühen 1980er Jahre neu: Ein eigener Fernsehsender sollte sich ausschließlich mit Musik beschäftigen.

Dabei ging es nicht nur um das Abspielen von Musikvideos. Die musicbox legte großen Wert auf redaktionelle Inhalte, Moderation, Interviews und Informationen über Künstler und Musikrichtungen.

Der Sendestart am 1. Januar 1984

1. Januar 1984

Die musicbox startet im Kabelpilotprojekt Ludwigshafen als erster deutscher Musiksender.

Die musicbox gehörte damit zu den Programmen, die im Rahmen der deutschen Kabelpilotprojekte Anfang der 1980er Jahre neue Formen des Fernsehens erprobten.

In Ludwigshafen war die musicbox zunächst ausschließlich über das Kabelnetz empfangbar.

Gleichzeitig starteten dort weitere neue Programme, darunter Sat.1 beziehungsweise dessen damaliger Vorläufer PKS und der ZDF-Musikkanal.

Für die deutsche Fernsehgeschichte war dies ein wichtiger Schritt: Das Fernsehen begann sich von den wenigen großen Vollprogrammen zu einer Landschaft aus spezialisierten Spartenkanälen zu entwickeln.

Das Programm

Das Programm der musicbox bestand aus Musikvideos, Musikmagazinen, Interviews und redaktionellen Beiträgen.

Im Unterschied zu späteren Musikkanälen war die musicbox stark moderiert und redaktionell geprägt.

Für viele populäre Musikrichtungen gab es eigene Sendungen.

Programmbereich Inhalt
Pop Aktuelle Popmusik und Musikvideos.
Rock Rockmusik und internationale Künstler.
New Wave Musik der damals neuen New-Wave- und Independent-Szene.
Heavy Metal Rock- und Metal-Sendungen für ein spezielles Publikum.
Charts Hitparaden und aktuelle Singles.
Interviews Gespräche mit Musikern und Bands.
Musikmagazine Moderierte Sendungen mit Informationen, Neuerscheinungen und Hintergrundberichten.

Vom Tagesprogramm zum 24-Stunden-Sender

Ursprünglich sendete die musicbox täglich ungefähr von 8:00 bis 24:00 Uhr.

Später wurde die Sendezeit auf ein 24-Stunden-Programm ausgeweitet.

Während des Tages standen moderierte Musikmagazine im Mittelpunkt.

Nachts wurden häufig Musikvideos nonstop gezeigt oder Sendungen des Tages wiederholt.

Die Verbreitung

Nach dem Start im Kabelpilotprojekt wurde die musicbox nach und nach überregional verbreitet.

Das Programm war später bundesweit über Kabel und Satellit zu empfangen.

Auch eine zeitweise terrestrische Ausstrahlung in München gehörte zur Geschichte des Senders.

Verbreitungsweg Historische Situation
Kabel Zunächst Kabelpilotprojekt Ludwigshafen, später bundesweite Verbreitung.
Satellit Bundesweite bzw. überregionale Zuführung über Intelsat.
Terrestrisch Zeitweise in München.

Die Münchner Antennenausstrahlung

In München wurde die musicbox zeitweise auch terrestrisch verbreitet.

Als Senderstandort wird der Blutenburg-Turm genannt.

Von dort wurde die musicbox auf Kanal 59 ausgestrahlt.

Interessant für Satelliten- und TV-Historiker:

Die musicbox war damit nicht ausschließlich ein Kabelsender. Im Laufe ihrer Geschichte wurde sie über mehrere unterschiedliche Verbreitungswege zum bundesweiten Musikprogramm.

Die wirtschaftliche Entwicklung

Finanziert wurde die musicbox zunächst unter anderem durch den Kölner Zeitungsverlag DuMont.

1985 stieg DuMont aus dem Sender aus.

Wolfgang Fischer verhandelte anschließend mit der Sat.1-Gruppe um eine mögliche Übernahme.

Diese Gespräche führten jedoch nicht zu einer Übernahme.

Stattdessen beteiligte sich die Tele München Gruppe an der musicbox und sicherte damit zunächst den Fortbestand des Senders.

Die Moderatoren

Die Moderatoren waren ein wichtiger Bestandteil des musicbox-Konzepts.

Viele Gesichter der musicbox wurden später auch bei Tele 5 bekannt.

Moderator / Moderatorin Hinweis
Werner Schulze-Erdel Moderierte später auch den Übergang von musicbox zu Tele 5.
Mike Carl Musicbox-Moderator.
Babette Einstmann Musicbox-Moderatorin.
Goofy Förster Musicbox-Moderator.
Fred Kogel Musicbox-Moderator.
Daniel Kovac Musicbox-Moderator.
Susanne Reimann Musicbox-Moderatorin.
Christian „Che“ Eckert Musicbox-Moderator.
Annette Hopfenmüller Musicbox-Moderatorin.
Judith Stein Musicbox-Moderatorin.
Al Munteanu Musicbox-Moderator.
Sabine Thomas Musicbox-Moderatorin.
Stefanie Tücking Musicbox-Moderatorin.
Sven Thanheiser Musicbox-Moderator.
Britta Stölzle Musicbox-Moderatorin.
Mansha Friedrich Musicbox-Moderatorin.

Stars bei der musicbox

Die musicbox war nicht nur ein Abspielkanal für Musikvideos.

Viele bekannte deutsche Musiker der 1980er Jahre waren in den musicbox-Studios zu Gast.

Im Sendergebäude wurden außerdem Musikvideos produziert.

Udo Lindenberg

Ein besonders interessantes Beispiel ist das Musikvideo „Ich lieb dich überhaupt nicht mehr“. Teile des Videos spielen direkt im musicbox-Gebäude. Im Video sind die musicbox-Logos zu sehen und auch die Senderegie spielt eine Rolle.

Damit wurde die musicbox selbst Teil der deutschen Musikvideogeschichte der 1980er Jahre.

Von musicbox zu Tele 5

Mitte der 1980er Jahre änderte sich die Eigentümerstruktur des Senders.

Der italienische Medienunternehmer Silvio Berlusconi beteiligte sich mit 45 Prozent an der Produktionsgesellschaft.

Zusammen mit der Tele München Gruppe entstand damit eine neue Grundlage für die Weiterentwicklung des Senders.

Das reine Musikformat sollte zu einem Vollprogramm ausgebaut werden.

11. Januar 1988 – 00:00 Uhr

Mit der live moderierten Sendung „Tschau musicbox – Hallo Tele 5“ wurde der Sender offiziell in Tele 5 umgewandelt.

Die Sendung wurde von Werner Schulze-Erdel moderiert.

Damit endete die eigenständige Geschichte der musicbox nach rund vier Jahren.

Musicbox lebt bei Tele 5 weiter

Mit der Umwandlung in Tele 5 verschwand die Musik nicht sofort aus dem Programm.

Mehrere Sendungen und Moderatoren der musicbox wurden in das neue Programm übernommen.

Die Musik war insbesondere in der Anfangsphase von Tele 5 weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Programms.

Wolfgang Fischer erhielt 10 Prozent an Tele 5.

Silvio Berlusconi und Herbert Kloiber hielten jeweils 45 Prozent.

Beteiligter Anteil an Tele 5
Silvio Berlusconi 45 %
Herbert Kloiber / Tele München Gruppe 45 %
Wolfgang Fischer 10 %

Das Musikarchiv der musicbox

Mit der Umwandlung zu Tele 5 endete zwar der Sender musicbox, das umfangreiche Musikarchiv blieb jedoch erhalten.

Die ehemalige Musikredaktion machte sich selbständig.

Aus diesem Umfeld entstand die Produktionsfirma MME – Me, Myself & Eye Entertainment.

Das Unternehmen übernahm das komplette Musikvideoarchiv der musicbox.

Das Archiv wurde später unter anderem auch für andere Musikprogramme genutzt.

Auch der in den 1990er Jahren gestartete Musiksender VH-1 Deutschland griff auf ehemalige musicbox-Videos zurück.

Chronik 1984–1988

1. Januar 1984

Start der musicbox im Kabelpilotprojekt Ludwigshafen.

1984

Die musicbox entwickelt sich zum deutschen Musik-Spartenkanal.

1984–1985

Ausbau des Programms und zunehmende Verbreitung über Kabel.

1985

Der Kölner Zeitungsverlag DuMont steigt als Geldgeber aus.

1985–1986

Verhandlungen mit der Sat.1-Gruppe über eine mögliche Übernahme scheitern.

1986

Die Tele München Gruppe beteiligt sich an der musicbox.

1986–1987

Ausbau der Verbreitung und Vorbereitung einer Neuordnung des Senders.

1987

Veränderungen in der Gesellschafterstruktur bereiten den Umbau zum Vollprogramm vor.

11. Januar 1988

Um 00:00 Uhr wird musicbox mit der Live-Sendung „Tschau musicbox – Hallo Tele 5“ zu Tele 5.

Steckbrief

Merkmal Angabe
Name musicbox
Sendestart 1. Januar 1984
Sendeschluss 11. Januar 1988, 00:00 Uhr
Sprache Deutsch
Programmart Musik-Spartenprogramm
Sitz München
Gründer Wolfgang Fischer
Programmdirektor Jochen Kröhne
Empfang Kabel, Satellit, teilweise terrestrisch
Nachfolger Tele 5

Die Bedeutung der musicbox

Die musicbox war ein wichtiger Bestandteil der frühen deutschen Privatfernsehgeschichte.

Sie zeigte, dass ein Fernsehsender nicht zwingend ein klassisches Vollprogramm mit Spielfilmen, Serien, Nachrichten und Unterhaltung sein musste.

Stattdessen konnte sich ein Sender gezielt an ein bestimmtes Publikum richten.

Das Konzept der musicbox nahm damit Entwicklungen vorweg, die später durch MTV, VIVA und zahlreiche weitere Spartenkanäle zum Normalfall wurden.

Von der musicbox zu Tele 5

Die Geschichte der musicbox ist gleichzeitig die Vorgeschichte des ersten Tele 5 von 1988. Aus einem Musikkanal wurde ein Vollprogramm – doch zahlreiche Personen, Sendungen und Inhalte blieben erhalten.

Quellen und weiterführende Informationen

  • Wikipedia: Musicbox – Geschichte des deutschen Musiksenders.
  • Historische Literatur zur Geschichte des deutschen Fernsehens.
  • Zeitgenössische Fernsehzeitschriften und Programmarchive.
  • Historische Programm- und Satellitenarchive.

Hinweis: Bei historischen Fernseh- und Satellitendaten können je nach Quelle unterschiedliche Angaben zu Verbreitungswegen, Sendezeiten und technischen Parametern vorkommen.

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